Selbstgemachter Pizzateig: mein nicht mehr so geheimes Geheimrezept

Selbstgemachter Pizzateig: mein nicht mehr so geheimes Geheimrezept

Um das originale authentische Familienrezept für den weltbesten italienischen Pizzateig ranken sich bekanntlich viele Mythen. Was ist die Geheimzutat für den Teig, damit die selbstgemachte Pizza schmeckt wie beim Italiener? Ist es das Mehl, ist es Milch, Ei, Bier, die Hefe oder vielleicht Olivenöl? Muss ich den Teig speziell kneten und mit den Händen massieren? Muss der Teig wirklich tagelang bei einer bestimmten Temperatur in mehreren Phasen gehen?

Nach Jahren der Experimentierens habe ich festgestellt: Es gibt viele gute Pizzateige, aus denen sich eine gute Pizza auch zu Hause backen lässt. Denn weniger der Teig macht eine gute Pizza als der mit Holz beheizte Steinofen, den wahrscheinlich die wenigsten zu Hause haben.

Ein paar Tricks und Kniffe beim Pizzabacken mit dem Elektro-Ofen zu Hause haben sich jedoch bewährt. Diese will ich euch nicht vorenthalten. Es kommt nicht auf das richtige Rezept für den selbstgemachten Pizzateig an, sondern auch darauf, wie man den Teig zur Pizza weiterverarbeitet.

Der einfachste Pizzateig der Welt

Pizzateig selber machen ist ganz einfach und man benötigt nur ganz wenige Zutaten. Der wohl einfachste Pizzateig der Welt besteht lediglich aus Mehl, Wasser, Hefe und Salz. Nicht mehr und nicht weniger. Für uns kleine Familie (vier Personen) reicht z. B. ein Teig auf Basis von 500g Mehl, 200-250ml Wasser, 10-15g Hefe, 1 EL Salz.

Ich füge meist noch ein paar Spezialzutaten mehr hinzu. Zum einen rühre ich aus Gewohnheit frische Hefe mit etwas Zucker und warmen Wasser an. Der Zucker ist einfach nur ein kleiner Kickstarter für die Hefe.

Etwas Olivenöl (ca. 2 EL) gibt dem rohen Teig einen angenehmen Geruch und macht ihn etwas geschmeidiger.

Falls ich Bier im Haus habe, verwende ich statt Wasser auch gerne Bier. Ein halbe Halbe landet dann im Teig, die andere halbe Halbe im Pizzabäcker. Die Zermonie des Pizzateig-Machens erfordert Gemütlichkeit, die unter Zugabe von Bier und guter Musik in der Küche erzeugt wird. Der Hefeteig bekommt mit Bier außerdem einen angenehmen malzigen Geruch.

Einfacher Pizzateig

Grundrezept für einen einfachen Pizzateig
Vorbereitungszeit20 Min.
Gehen1 Std.
Gericht: Hauptspeise
Land & Region: Italien
Keyword: Grundrezept, Hefeteig, Pizza
Portionen: 4 Personen

Equipment

  • Teigschüssel und Handmixer mit Knethaken – oder Küchenmaschine
  • kleine Schüssel für Hefe

Zutaten

  • 500 g Mehl + etwas mehr zum Arbeiten
  • 200-250 ml Wasser
  • 10-15 g frische Hefe
  • 1 EL Salz
  • 1-2 TL Zucker
  • 2-3 EL Olivenöl

Anleitungen

Teig vorbereiten

  • Hefe mit den Fingern in eine Schüssel bröseln, mit Zucker und einem Schluck warmen Wasser verrühren.
  • Mehl (erst ca. 400g), Salz, Wasser, Olivenöl und angerührte Hefe in der Teigschüssel mit den Knethaken des Handrührgeräts zu einem glatten Teig verarbeiten. Restliches Mehl mit den Händen auf der Arbeitsfläche einarbeiten bis der Teig nicht mehr klebt.
  • Teig zu einer Kugel formen und abdeckt ruhen lassen – 45 Minuten oder mehr.

Teig für Pizza weiterverarbeiten

  • Ofen vorheizen auf mindestens 220 °C und weitere Pizzazutaten vorbereiten.
  • Teig portionieren in 4-6 Kugeln à 160-200g. Die Teiglinge wiederum abgedeckt ruhen lassen – z. B. mit angefeuchtetem nassen Küchentuch.
  • Nacheinander die Kugeln in Mehl wenden und mit dem Nudelholz auf der Arbeitsfläche zu dünnen Fladen ausrollen. Teiglinge vor dem Verarbeiten nicht mehr kneten!
  • Tomatensauce auf den Fladen dünn und gleichmäßig verteilen, mit Käse und weiteren Pizzazutaten belegen. Im Ofen ca. 10-15 Minuten auf Backblech oder Pizzastein backen.

Notizen

Ein guter Pizzateig hinterlässt eine saubere Schüssel, saubere Hände und eine saubere Arbeitsplatte. Arbeite nach und nach so viel Mehl in den Teig ein, dass er zwar noch an den Händen oder der Schüssel anhaftet, aber sich rückstandslos abziehen lässt.
Die Teiglinge vor dem Ausrollen nicht mehr kneten. Falls der Teig beim Formen reißt oder zäh wird, einfach wieder eine Kugel formen und nochmals gehen lassen.

Welches Mehl für Pizzateig?

Tipo 00 soll das Mehl der Wahl für Pizzateig sein in Italien. Dieses soll einen höheren Anteil an Gluten (Klebereiweiß) enthalten, der den Teig elastischer macht. Dadurch lässt sich der Teig etwas leichter verarbeiten.

Aus dem hier im Handel erhältlichen Weizenmehl Typ 405 oder Typ 550 lässt sich aber auch sehr guter Teig herstellen. Auch Dinkelmehl Typ 630, Typ 1050, Vollkornmehl oder sogar Hanfmehl (anteilig 25%) ist sehr gut geeignet.

Ich mische z. B. gerne Dinkelmehl Typ 630 mit Typ 1050 im Verhältnis 50:50. Manchmal verwende ich Vollkornmehl zu einem Drittel. Bei mehr Vollkornmehl wird es aber schwieriger, den Teig flach auszurollen ohne dass er reißt.

Wie vermeiden, dass der Pizzateig reißt und was tun, wenn der Pizzateig gerissen ist?

Durch das Ruhen wird der Hefeteig weich, elastisch und locker. Durch Kneten nach dem Gehen fällt der Teig wieder zusammen und wird zäh. Dann lässt sich der Pizzateig nicht ausrollen und zieht sich wieder zusammen. Im schlimmsten Fall reißt der Teig und bekommt Löcher.

Pizzateig soll ja möglichst lang und gut geknetet werden…aber nicht mehr nach dem Ruhen! Viele machen aber den Fehler, dass sie den Teig unmittelbar vor dem Ausrollen nochmal gründlich kneten. Stop it!

Ich portioniere den Teig nach dem ersten Gehen in der Schüssel zu Teigkugeln (ca. 160-200g). Die Teiglinge decke ich mit einem angefeuchteten sauberen Geschirrtuch ab und lasse sie nochmal mindestens 15 Minuten gehen. Eigentlich lasse ich sie einfach ohne Blick auf die Uhr liegen und verarbeite einen Teigling nach dem anderen zu Pizza.

Portionierter Pizzateig, zu Kugeln geformt. Verschiedene Belagzutaten im Hintergrund
Selbstgemachten Pizzateig erst portionieren vor dem Ausrollen

Die fluffigen Teiglinge wende ich dann zügig in Mehl und rolle sie (ohne vorheriges Kneten!) mit dem Nudelholz zügig auf der Arbeitsfläche aus. Den Teigfladen ziehe ich engültig in Form, indem ich ihn über die Handrücken beider Hände stülpe und die Hände vorsichtig auseinander ziehe.

Sollte der Teig aber trotzdem mal reißen: Einfach wieder zu einer Kugel formen und nochmal gute 15 Minuten liegen lassen.

Selbstgemachter Pizzateig zu runden Fladen ausgerollt
Pizza-Station: Teigling wurde schon zu rundem Fladen ausgerollt und wartet darauf, belegt und gebacken zu werden.

Zu lange gegangener Teig kann auch reißen. In der warmen Küche können die letzten Teiglinge klebrig werden oder sich sogar etwas verflüssigen. Gleiche Lösung: Nochmal zur Kugel formen und wieder etwas liegen lassen vor dem Verarbeiten.

Damit der Teig nicht auf der Arbeitsfläche oder der Pizzaschaufel klebt, verwende ich reichlich Mehl oder Hartweizengrieß (Semola) zum Arbeiten.

Pizza richtig belegen – erst Käse oder Belag?

Pizza wird nicht mit Käse überbacken 🙂 ! Teig, Tomatensauce, erst Käse und dann erst restlicher Belag.

Weniger ist außerdem mehr. Damit der dünne Teigboden nicht durchweicht oder gar reißt, ist Sparsamkeit bei Tomatensauce, Käse oder feuchtem Belag angesagt. Schaut euch die Pizza beim Italiener an: Da liegt oft gar nicht so viel drauf…

Mozzarella tupfe ich mit Küchenpapier ab, schneide ihn in möglichst kleine Würfel und lasse ihn „aussaften“. Getrocknete Tomaten, eingelegte Artischocken, Pepperoni oder Ananas lasse ich gut abtropfen.

Selbstgemachte Pizza mit Schinken und Pilzen

Selbstgemachten Pizzateig einfrieren

Selbstgemachter Pizzateig lässt sich wunderbar portionieren und einfrieren. Den Teig dann aber vollständig auftauen lassen, kurz durchkneten, zur Kugel formen und wieder etwas aufgehen lassen vor dem Verarbeiten.

Pizza backen ohne Pizzaofen

Wer hat schon einen Steinofen, der mit Holz befeuert wird, die Pizza bei 350° C in wenigen Minuten knusprig werden lässt und ihr ein würziges Raucharoma verleiht?

Nichtsdestotrotz kann im normalen Elektro-Ofen zu Hause auch eine gute Pizza gelingen. Da gehen halt nur 250°C.

Ich verwende seit Jahren für Brot und Pizza einen Pizzastein (Die Holzschaufel ist Mist, lieber eine Pizzaschaufel aus Metall besorgen). Ich bilde mir ein, dass der Boden mit Pizzastein knuspriger und stabiler wird.

Den Stein positioniere ich auf einer der unteren Schienen im Ofen und heize den Ofen bei 220-250°C Ober- und Unterhitze an. Auch die Pizza backe ich bei Ober- und Unterhitze. Bei Umluft würde der Belag verbrennen bevor der Boden durch ist.

Lediglich die letzten 2-3 Minuten schalte ich kurz auf Umluft. Dadurch wird der Rand knusprig und der Belag bekommt ein paar Röststellen, bleibt aber saftig.

Selbstgemachte Pizza mit Oliven, Artischocken und Zwiebeln


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